Glücklichsein, subjektives Wohlbefinden

Torsten Liem
Torsten Liem

Mit meinem Blog möchte ich das Feld der ganzheitlichen Gesundheit bestehend aus Fachwissen und praxisnahen Erkenntnisse zu MIND, BODY und LIFESTYLE für die Allgemeinheit zugänglich machen.

Glücklichsein, subjektives Wohlbefinden

  • Untersuchungen zum Einfluss von ökonomischen Faktoren zum Glücksempfinden und Wohlbefinden sind zahlreich. Das Thema ist komplex und vielschichtig, wie zum Beispiele Studien zum Einkommen zeigen. Zahlreiche Studien stimmen darin überein, dass Einkommensungleichheit und nicht absolutes Einkommen ein wichtiger Prädiktor für Glück darstellt. Die Rolle der Einkommensungleichheit ist jedoch umstritten. Yu, Wang (2017) argumentieren, dass Einkommensungleichheit und Zufriedenheit aufgrund des dynamischen konkurrierenden Prozesses zwischen zwei Effekten eine umgekehrte U-förmige Beziehung aufweisen. Wenn Einkommensungleichheit relativ gering ist, wird der Signaleffekt der dominierende Faktor sein, bei dem sich die Menschen glücklich fühlen, weil sie Einkommen als Signal sozialer Mobilität und erwarteter Aufwärtsmobilität betrachten. Wenn jedoch das Einkommensungleichheitsniveau einer Gesellschaft über einen kritischen Punkt hinaus ansteigt, wird der Eifersuchtseffekt zum dominierenden Faktor, bei dem die Menschen eher unglücklich sind, aufgrund fehlender Aussicht auf Aufwärtsmobilität und aufgrund der Eifersucht ihrer reicheren Altersgenossen gegenüber. (1)
  • Ein Review von Dolan, Peasgood und White (2007) untersuchte den Zusammenhang zwischen ökonomischen Faktoren und dem subjektiven Wohlbefinden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass schlechte Gesundheit, Trennung, Arbeitslosigkeit und mangelnde soziale Kontakte  stark negativ mit dem subjektiven Wohlbefinden assoziiert sind. (2) Im Folgenden werden die Ergebnisse dieser Studie vorgestellt.
    • Einfluss des Alters: Studien deuten auf eine U-förmige Kurve mit höherem Wohlbefinden im jüngeren und im höheren Lebensalter und der niedrigsten Lebenszufriedenheit im mittleren Alter zwischen 32 und 50 Jahren, je nach Studie, hin. 
    • Geschlecht: Frauen berichten tendenziell über ein höheres Glück, jedoch schlechtere Werte im General Health Questionnaire, obwohl einige Studien keine geschlechtsspezifischen Unterschiede angeben.
    • Persönlichkeit: Es besteht eine sehr moderate Beziehung zwischen dem subjektiven Wohlbefinden und der Persönlichkeit. Menschen mit höherem Selbstwertgefühl scheinen weniger an Depressionen zu leiden.
    • Bildung: Einige Studien zeigen eine positive Beziehung zwischen jeder zusätzlichen Bildungsstufe und subjektiven Wohlbefinden, während andere Studien feststellen, dass die mittlere Schulbildung mit der höchsten Lebenszufriedenheit zusammenhängt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Bildung sich eher positiv in Ländern mit niedrigem Einkommen auswirkt. Die Bildungsqualifikationen können auf nicht beobachtbare Merkmale auf individueller Ebene wie Motivation, Intelligenz oder familiärer Hintergrund bezogen sein und der Nutzen von Bildung kann eher positionell als absolut sein.
    • Gesundheit: es konnte eine starke Korrelation zwischen subjektiven Wohlbefinden und körperlicher und psychischer Gesundheit festgestellt werden.
    • Art von Arbeit: Es gibt nur unzureichende Studienergebnisse, um eindeutige Schlussfolgerungen hinsichtlich der Auswirkungen von Arbeit auf das Wohlergehen ziehen zu können. Viele europäische Studien finden keinen signifikanten Unterschied zwischen Anstellung und Selbständigkeit. Der positive Effekt der Selbstständigkeit beschränkt sich auf die reiche Bevölkerung.
    • Fürsorge für andere: Mehr Fürsorge/Pflege für andere ist mit schlechteren Ergebnissen des General Health Questionnaire, geringerer Zufriedenheit und weiteren depressiven Symptomen verbunden.
    • Autonomie: Diese wurde als wesentliche Voraussetzung für das Wohlbefinden vorgeschlagen. Die mit der Pflege verbundenen Verluste von Zufriedenheit können auf den Verlust der Autonomie und die Wahl als Vollzeitbetreuungsrolle zurückzuführen sein.
Glücklichsein, subjektives Wohlbefinden 1

Glücklichsein, subjektives Wohlbefinden

    • Einstellungen und Überzeugungen gegenüber sich selbst, anderen und dem Leben gegenüber: Positiv auf das subjektive Wohlbefinden wirken die Mitgliedschaft in (nichtkirchlichen) Organisationen und regelmäßiges Engagement in religiösen Aktivitäten. Einfache Arten von Tätigkeiten wie Gartenarbeit können mit einer höheren Lebenszufriedenheit einhergehen und dies ist besonders für die über 60-Jährigen von Bedeutung. Wahrnehmungen der Umstände: Eine schlechtere Eigenwahrnehmung der gegenwärtigen finanziellen Situation ist normalerweise mit einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden. Soziales Vertrauen (Vertrauen in den Großteil der Mitmenschen) ist mit einer höheren Lebenszufriedenheit und Zufriedenheit sowie einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Selbstmord verbunden. Im Allgemeinen beeinflussen unsere Überzeugungen unser subjektives Wohlbefinden. Religiöse Menschen sind im Allgemeinen glücklicher als nichtreligiöse Menschen, unabhängig von ihrem Glauben. Der Glaube an einen Gott bedeutet ein höheres Maß an Lebenszufriedenheit, dabei ist zweitrangig, welcher Religion man angehört. Alleinsein scheint für die Lebenszufriedenheit schlimmer zu sein als in einer Partnerschaft zu leben. Regelmäßiger Sex ist mit einer positiveren Lebenszufriedenheit verbunden, insbesondere mit einem Partner. Dies ist ein Hinweis, dass es für das Wohlbefinden wichtig zu sein, in einer fürsorglichen Beziehung, anstatt nur in einer Reihe weniger enger Beziehungen zu leben. Belege, inwieweit das Wohlergehen von Kindern abhängig ist, sind unterschiedlich und unterscheiden sich je nach Untersuchung und Land. Der Kontakt mit der Familie, nicht jedoch mit Freunden, zeigt einen signifikant positiven Effekt auf die Lebenszufriedenheit. Allerdings ist der Effekt gering.
    • Breiteres wirtschaftliches, soziales und politisches Umfeld: Untersuchungen für die Auswirkungen von Einkommensungleichheit auf das Wohlbefinden sind uneinheitlich. In den USA und in Europa wurde festgestellt, dass die nationalen Arbeitslosenquoten das subjektive Wohlbefinden vermindern. Die Evidenz zu den Auswirkungen des Sozialstaats ist begrenzt. Es besteht weiterhin ein positiver Zusammenhang zwischen Demokratie und Lebenszufriedenheit. Umweltprobleme, mit denen man konfrontiert ist, senken die Lebenszufriedenheit, z.B. beeinträchtigt die durch Stickstoffdioxid gemessene Verschmutzung die allgemeine Zufriedenheit. Negativ auf die Lebenszufriedenheit wirkt sich das Leben in einer unsicheren oder benachteiligten Gegend aus. Für Europa konnte festgestellt werden, dass in großen Städten zu leben die Lebenszufriedenheit beeinträchtigt, während das Leben in ländlichen Gebieten vorteilhaft ist.
  • Persönliche Ratgeber beleuchten das Thema in der Regel aus anderen Blickwinkeln. Der Fokus wird insbesondere darauf gerichtet, wie subjektives Wohlbefinden und das Empfinden von Glücklichsein gewissermaßen trainiert werden können. Hier steht mehr die Sichtweise im Vordergrund, dass Glück und Glücklichsein für jeden etwas anderes bedeutet und dass Lebensbedingungen nicht maßgeblich über unser Glücklichsein entscheiden. Die Fragestellung lautet hier, wie wir uns an veränderte Lebensbedingungen und Probleme anpassen können und wie wir unser Erleben von Glück und Wohlbefinden steigern können. Dies umfasst auch Selbstreflektionen, wie unsere Einstellung in Bezug auf Glück beeinflusst, wie viel glückliche Momente wir erleben. Tatsächlich gibt es viele bewährte und wissenschaftlich untersuchte Möglichkeiten, wie Sie selbst etwas dafür tun können, um sich glücklicher und zufriedener zu fühlen. Hier meine Top 9 Tips zum Glücklichsein.
  •  
  1.  Yu Z, Wang F. Income Inequality and Happiness: An Inverted U-Shaped Curve. Front Psychol. 2017;8:2052. 
  2. Dolan P, Peasgood T, White M. Do we really know what makes us happy? A review of the economic literature on the factors associated with subjective well-being Journal of Economic Psychology. 2008; 29: 94–122.

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