Häufiger werde ich nach Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) gefragt. Hier einige Infos dazu.

Häufiger werde ich nach Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) gefragt. Hier einige Infos dazu.

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Was sind Nahrungsergänzungsmittel (NEM) eigentlich?

Nahrungsergänzungsmittel sind Erzeugnisse, die aus Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung in konzentrierter Form hergestellt werden.     

Welcher Kontrolle unterliegen Nahrungsergänzungsmittel?

NEM zählen zu den Lebensmitteln und durchlaufen somit im Gegensatz zu Arzneimitteln keinerlei Zulassungsverfahren. Lediglich eine Registrierung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist Pflicht. Für die Sicherheit von NEM sind ausschließlich die Hersteller verantwortlich (www.bfr.bund.de; Zugriff 30.06.2021).

Gibt es Standards für Multivitamin- oder Multimineralpräparate?

Es gibt keine standard- oder behördliche Definition für ein Multivitamin- oder Multimineralpräparat – z. B. welche Nährstoffe es in welchen Mengen enthalten muss. Daher kann sich der Begriff auf Produkte mit sehr unterschiedlichen Zusammensetzungen und Eigenschaften beziehen (Yetley 2007). Allein die Hersteller bestimmen die Dosis, die Zusammensetzung und die verwendeten chemischen Verbindungen an Vitaminen, Mineralien und anderen Inhaltsstoffen in ihren Multivitamin-/Multimineralpräparaten. Deshalb sind die Verbraucher bei der Wahl der Nahrungsergänzungsmittel auf sich selbst gestellt.

Gibt es Gründe, die für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sprechen könnten?

Für mögliche Nahrungsmittelergänzung spricht, dass sich im Laufe der industriellen Produktion nicht nur die Ernährung, sondern auch der Gehalt an Nähr- und Vitalstoffen in Pflanzen aufgrund von ausgelaugten Böden, Luftverschmutzung, zu schnellem Wachstum und langer Lagerung verändert hat. Genetische Veränderungen, die Verwendung von Pestiziden, die Belastung mit Schwermetallen und atmosphärische Veränderungen wirken sich auf den Wirkstoffgehalt der Pflanzen aus. Außerdem kommt es durch Zubereitungsformen zu einem möglichen Vitaminverlust. In vielen Ländern bestehen durch unterschiedliche Sonneneinstrahlungen grundsätzlich Vitaminmangelzustände. Auch könnte eine Mangelversorgung durch Junk-Food-Ernährung, Fertigprodukte, zu viel Getreide, zuckerhaltige Getränke etc. entstehen.

Allerdings werden laut Studien NEM häufig von Personen eingenommen, die sich bereits nährstoffreich ernähren, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Überdosierung und übermäßigen Nährstoffaufnahme steigen kann.

Es geht nur um Ihre Gesundheit?

Überrascht war ich, wie viel Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln gemacht wird. NEM sind ein großer wirtschaftlicher Markt. Der Umsatz mit NEM ist in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 6 % pro Jahr gestiegen; in Deutschland wurde 2018 ein Umsatz von fast 2,1 Milliarden Euro (IQVIA und Statista 2020) und laut dem Informationsdienst IQVIA im Jahr 2021 von rund 2,69 Milliarden Euro erreicht.

Glaubt man den Herstellern, sind die Präparate ein unverzichtbarer Beitrag zur Gesundheitsvorsorge. Inwieweit ihre Einnahme tatsächlich sinnvoll ist, wird kontrovers diskutiert, wobei die Nachweise, die dagegen sprechen, überwiegen.

Ist Transparenz bei Beratungen für Nahrungsergänzungsmittel in Bezug zu finanziellen Interessen vorhanden?

Mehrfach habe ich mitbekommen, wie in Workshops zu NEM geraten wurde und dass Referenten am Gewinn des Verkaufs bestimmter Präparate beteiligt waren, ohne dies transparent zu machen.

Insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit von NEM-Firmen, bei denen quasi „neutrale“ Gesundheitsberater und „Wissenschaftler“ – ohne deutlich zu machen, dass diese bei diesen Firmen angestellt, freiberuflich tätig, am Gewinn beteiligt oder Unternehmens beteiligt sind – zu Gesundheitsverhalten „beraten“ und dabei nebenbei versuchen ihre Präparate an die Frau und den Mann zu bringen, haben mich negativ überrascht.

Die Kunden werden aus meiner Sicht hier zum Kauf verführt. In Studien müssten solche Verquickungen von Interessen öffentlich gemacht werden. In Kursen, auf Webseiten, in Podcasts und YouTube-Videos allerdings nicht.

Auch in zahlreichen Praxen beläuft sich die Gewinnbeteiligung der Therapeuten, die Patienten dazu motivieren, NEM bei Firmen zu bestellen oder bei ihnen selbst zu kaufen, nicht selten zwischen 10% bis über 30 %. Sollten Sie zum Kauf bestimmter Präparate motiviert werden, fragen Sie Ihre Therapeuten, ob diese prozentual am Verkauf beteiligt werden.

Eine kurze Zeit wurde ich motiviert, viele NEM auszuprobieren. Doch aufgrund gesundheitlicher Aspekte habe ich mich wieder davon „entsüchtigt“.

Gibt es Zusammenhänge von Nahrungsergänzungsmittel-Einnahme, anderen Süchten und Persönlichkeitsmerkmalen?

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann zu einer illusorischen Unverletzlichkeit führen und die Selbstregulierung beim Rauchen verringern (Chiou et al. 2011).

Protein-/Aminosäure-Konsumenten bei Soldaten waren assoziiert mit folgenden Persönlichkeitsmerkmalen (Hatch et al. 2019): Suche nach Erfahrung (p < 0,001), Anfälligkeit für Langeweile (p < 0,001), Suche nach Nervenkitzel (p < 0,001), Enthemmung (p < 0,01), Neuartigkeit (p < 0,001) und Intensität (p < 0,001).

Sollten Sie in Erwägung ziehen, NEM, wie beispielsweise ein Multivitamin- oder ein Multimineralpräparat, einzunehmen, ist  folgendes zu beachten:

  1. Auf die Dosis achten

Eine extreme Einnahme einzelner Vitamine oder Mineralien sollte vermieden werden, bzw. nur bei medizinischer Notwendigkeit erfolgen, da bei Überdosierung schädliche Auswirkungen möglich sind, z. B. bei regelmäßiger täglicher Einnahme mehrerer Gramm Vitamin C oder hoher Einnahme fettlöslicher Vitamine.

  1. GMP-Etikett

NEM sollten zumindest mit dem GMP-Etikett versehen sein. GMP bedeutet »Gute Herstellungspraxis«. Diese ist der Teil der Qualitätssicherung, der gewährleistet, dass die Produkte gleichbleibend nach den Qualitätsstandards hergestellt und geprüft werden, die der vorgesehenen Verwendung und den Zulassungsunterlagen oder der Produktspezifikation entsprechen. GMP betrifft dabei sowohl die Produktion als auch die Qualitätskontrolle.[311]

  1. »Non-GMO«-Bezeichnung

NEM sollten keine genetisch manipulierten Inhaltsstoffe enthalten. Achten Sie deshalb auf die Bezeichnung »non GMO«. GMO bedeutet gentechnisch veränderter Organismus (genetically modified organism).

  1. TOTOX-Wert

Durch ausreichendes Essen von Fisch, Krusten- und Schalentieren, Algen etc. ist die Einnahme von Fischölen nicht nötig. Sollen jedoch Fischöle supplementiert werden, ist bei den jeweiligen Präparaten auf die Angabe zum TOTOX-Wert – Oxidationswert – zu achten. Der TOTOX-Wert gibt den Grad der Oxidation des Öls an. Fischöle sollten nie unangenehm riechen und schmecken. Ein qualitativ gutes Fischöl hat Werte um 10. Sehr gute Hersteller liegen sogar darunter. Werte ab 26 werden in der EU als kritisch angesehen.

Außerdem ist bei Nahrungsergänzungsmitteln auf den Gehalt des Wirkstoffs, die Zusammensetzung und die chemischen Verbindungen zu achten. Das teuerste Präparat ist nicht zwangsläufig das beste.

Weitere Informationen in meiner neuen Publikation: Das Osteopathie-Selbsthilfe-Buch.

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