Wald und Ge­sund­heit – Wald, ein hoch­potentes Heil- und Ent­spannungs­mittel

Torsten Liem
Torsten Liem

Mit meinem Blog möchte ich das Feld der ganzheitlichen Gesundheit bestehend aus Fachwissen und praxisnahen Erkenntnisse zu MIND, BODY und LIFESTYLE für die Allgemeinheit zugänglich machen.

Inhaltsverzeichnis

Evolutionär lebte der Mensch seit je her draußen in der freien Natur. Deshalb ist unser biologischer „Normalzustand“, von natürlichen Reizen umgeben zu sein. Unser Körper ist also am besten auf das Leben in einer natürlichen Umwelt eingestimmt. 

Erst mit Beginn der Urbanisierung fingen wir an in einer stark veränderten und teilweise künstlichen Umgebung zu leben und das könnte für eine Vielzahl von chronischen Funktionsstörungen und Stressempfindens des modernen Menschen mitverantwortlich sein.

Ein einfaches Mittel dem Stress der Stadt und des Alltags zu entfliehen, bietet das sogenannte Shinrin-yoku. Frei aus dem Japanischen übersetzte bedeutet es „Aufnahme der Waldatmosphäre mit allen Sinnen“ oder kurz Waldbaden. Dieses wird zu den Natur- oder Ökotherapien gezählt und erfreut sich auch in unserer westlichen Welt immer mehr an Beliebtheit. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich eingehend mit den physiologischen Wirkungen des Umgebenseins mit der Natur. So kann Waldbaden das Immunsystem gegen virale oder bakterielle Infektionen stärken, Krebs vorbeugen, Stress lösen und die Entspannung fördern. An die sich dort befindenden Bakterien, Viren, Pilze und Pflanzenstoffe ist unser Organismus seit Millionen von Jahren gewöhnt. Sie sind deshalb alte Freunde für uns und fördern deshalb die Immuntoleranz in uns.

Was macht die Waldluft so besonders?

Die Waldluft ist ein hochpotenter Cocktail bioaktiver Heilstoffe, die Phytonzide, ein Sammelbegriff für eine Gruppe antibiotisch wirksamer Substanzen aus Pflanzen.

Eine bedeutsame Gruppe dieser Heilstoffe in der Waldluft sind die Terpene. Sie finden sich beispielsweise in den ätherischen Ölen. Es können über 40.000 dieser sekundären Pflanzenstoffe unterschieden werden. Diese haben eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen. Sie dienen beispielsweise bei starker Sonneneinstrahlung als Schutz für die Bäume, sichtbar als blaue Dunsthaube über dem Wald. Sie wirken auch als Lockstoff der Pflanzen für Insekten und Tiere. Sie werden außerdem von Pflanzen eingesetzt, um andere Pflanzen vor Schädlingen zu warnen. Pflanzen können Terpene dann als Gift bilden, um Schädlinge zu töten oder durch unangenehmen Geschmack abzuwehren. Sie dienen auch der Kommunikation der Bäume, Pilze und Kräuter. 

Terpene wirken stärkend auf das Immunsystem und anti-kanzerogen. Terpene stärken das Immunsystem direkt als über die Wirkung des Hormonsystems durch Verminderung von Stresshormonen. Am meisten Terpene sind im Sommer im Wald zu finden, am wenigsten im Winter. Besonders intensiv sind die Terpene bei Regen oder Nebel im Wald zu finden. Wir finden diese in stärkster Konzentration vor allem in Bodennähe, also dort wo wir uns in der Regel aufhalten. Vor allem Nadelbäume setzen Terpene frei. Auch Laubbäume, vor allem Buche, Eiche, Birke und Haselbaum.

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Einfluss auf das Immunsystem

Ein Spaziergang im Wald stärkt nachgewiesenermaßen das Immunsystem 

Ein einziger Tag im Wald erhöht die natürlichen Killerzellen um fast 40 Prozent, im zweiten Tag sogar um mehr als 50 Prozent. Außerdem sind diese Zellen auch fitter. Die Aktivitätssteigerung dieser Zellen ist nach einem Tag im Wald sogar für die nächsten sieben Tage nachweisbar. Bleiben Sie drei Tage im Wald, erhöhen sich die Anzahl der Killerzellen für die darauffolgenden 30 Tage. 

Außerdem wirkt sich die Waldluft positiv auf den oxidativen Stress in unserem Körper aus. Dieser wird durch freie Radikale, welche besonders reaktionsfreudig sind, ausgelöst. In einer Studie war bei Probanden, die sich im Wald aufgehalten haben, danach die Lipidperoxidation verringert. Als Lipidperoxidation bezeichnet man den chemischen Prozess, bei dem diese freien Radikalen anfangen körpereigene Fette zu oxidieren und damit zu zerstören. Durch Waldbaden kann also die Entstehung einer Kettenreaktion, welche zu Schäden an den Zellmembranen führen kann, verhindern. In dieser Studie konnte ebenfalls eine Verringerung entzündlicher Zytokine festgestellt werden. 

Verbesserung von Schmerzen

Neben den metabolischen Veränderungen von Waldbaden, können schon allein Naturgeräusche und Naturbilder die Schmerzwahrnehmung beeinflussen. So konnte in einer Studie in den USA herausgefunden werden, dass allein die Beschallung mit Naturgeräuschen und das Zeigen einer Naturszenerie die Schmerzen während einer Knochenbiopsie im Gegensatz zu Stadtgeräuschen und keinen Geruschen lindern konnte.

Stoff­wechsel­an­pas­sungen wie Ver­min­derung des Blut­zuckers und der Tri­gly­ceride

Auch auf den Stoffwechsel kann sich das Shrinin-joku (japanischer Begriff für Waldbaden) positiv auswirken. So konnte in Studien gezeigt werden, dass ein Waldspaziergang die Triglyceride vermindern kann. Triglyceride sind Fette, welche im Fettgewebe als Energiereserve gespeichert werden. Bei manchen Menschen sind die Triglycerid-Werte erhöht, z.B. wenn eine Fettstoffwechselstörung vorliegt. Dann kann Waldbaden ein unterstützendes Mittel zur Normalisierung des Stoffwechsels sein. Ein weiterer Effekt von Waldbaden auf den Stoffwechsel ist eine Erhöhung des Gewebshormons Adiponenctin, welches einen positiven Einfluss auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel nimmt. Außerdem hängen niedrige Adiponectin-Spiegel mit Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und koronarer Herzkrankheit zusammen, da es die Insulinausschüttung beeinflusst. Zudem bildet der Körper vermehrt anti-kanzerogen wirkende Proteine.

Ent­spannung und Stress­reduktion durch Wald­baden

Ein Waldaufenthalt wirkt außerdem als nebenwirkungsfreies hochpotentes Psychopharmaka, in dem er entspannt und Stress löst. Der Wald wirkt sich – über psychische Einflüsse wie auch über Terpene – auf unser autonomes Nervensystem stresslösend aus. Beispielsweise konnte nachgewiesen werden, dass sich Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin nachhaltig reduzieren.

Bei Männern senkt sich Adrenalin bei einem Tag im Wald um beinahe 30 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert und am darauffolgenden Tag um 35 Prozent. Bei Frauen sanken die Werte im ersten Tag sogar um 50 und im zweiten Tag um 75 Prozent. Forscher konnten zudem nachweisen, dass ein Waldaufenthalt zu einer Verminderung von Angstgefühlen, Aggressionen und Erschöpfung führte.

Tiefe dunkle Wälder sind nicht so entspannend wie eine savannenähnliche helle Umgebung, mit hohen Bäumen und Lichtungen, die wir überschauen können. Letztere unterstützt unser Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit und fördert unsere Entspannung. Aber nicht nur Wald entspannt uns, sondern viele Naturelemente beruhigen uns: Blumen und Sträucher (auch in der Wohnung), blühende Landstriche, Wiesen und Lichtungen mit verstreuten Bäumen, Gärten mit Obstbäumen und Gemüsebeete, mit Pilzen bewachsene Böden, Vögel sowie ruhige fließende oder stehende Gewässer und das Meer. 

Der Wissenschaftler Qing Li und Autor des 2012 publizierten Buches ‚Forest Medicine’ rät für einen dauerhaften Anstieg der Antikrebswirkung und der natürlichen Killerzellen monatlich zwei bis drei Tage und täglich etwa vier Stunden im Wald zu verbringen.

Aber soviel müssen Sie gar nicht tun. Versuchen Sie einfach einmal die Woche einen ausgedehnten Waldspaziergang einzurichten und sich wann immer möglich, zum Beispiel in Pausen oder beim Sport im Grünen aufzuhalten. Haben Sie das Glück einen Garten zu besitzen oder einen Park in Ihrer Nähe zu haben, nutzen Sie diese so oft als möglich.

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Auswirkungen auf die Stimmung

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 hat sich eingehend mit den psychologischen Auswirkungen des Waldbadens beschäftigt. Dabei wurden verschiedene emotionale Zustände kategorisiert. Darunter waren depressive Verstimmung, Anspannung, Angst, Müdigkeit und Wut. Ausnahmslos wurde in jeder Kategorie eine Verbesserung nach dem Baden im Wald festgestellt. Dieses kann also dazu beitragen, negative Emotionen zu lösen, um Raum für positive Gefühle zu schaffen!

Bessere Konzentration

Grüne Umgebung kommt der physischen und psychischen Gesundheit zugute und verbessert die Aufmerksamkeitsfähigkeit. Neue Studien an jungen Erwachsenen haben zum Beispiel gezeigt, dass kurze Aufenthalte in der Natur die Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung verbessern. Sogar schon das Betrachten von Naturbildern hilft. Ähnliche Ergebnisse wurden auch in Studien mit älteren Menschen erzielt. Eine Verbesserung der Aufmerksamkeit scheint auch über das Hören von Naturgeräuschen einzutreten. Bereits in den 90er-Jahren begründete Stephen Kaplan die „Aufmerksamkeitswiederherstellungstheorie“, welche besagt, dass eine natürliche Umgebung weniger kognitive Belastung darstellt als eine urbane und dadurch die Konzentration besser aufrechtgehalten werden kann. Deshalb, verlegen Sie, wann immer möglich, Ihre Arbeit ins Grüne – oder zumindest die Arbeitspausen – und nutzen Sie fürs nächste Tapezieren grüne Naturbilder.

Förderliche Auswirkungen auf Kinder

Dabei fördert der Naturaufenthalt bei Kindern auch die Konzentration und Aufmerksamkeit, z.B. bei Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS).

So sind Kinder in einem Waldkindergarten seltener krank, haben weniger Übergewicht, ihre Konzentrationsfähigkeit und die Grobmotorik sind besser entwickelt. 

Grün verlängert das Leben und verbessert das Geburtsgewicht

Wirklich beeindruckend sind die Ergebnisse eines Reviews von 2015 von James und Mitarbeitern. Seine Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Grün vor negativen

Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Mortalität schützt. Auch während der Schwangerschaft wirkt sich eine grüne Umgebung positiv auf das Geburtsgewicht. 

Grün läßt Sie bewegen und normalisiert das Körpergewicht 

Tatsächlich ist es so, je mehr Sie sich im Grünen aufhaltend, desto mehr bewegen Sie sich und desto idealer ist Ihr Körpergewicht. 

Eine weitere Studie von 2017 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Erhöhte Grünflächen in Wohngebieten sind mit einem geringeren Risiko, an mehreren häufigen Todesursachen zu sterben. 

Ver­min­derung der Sterb­lichkeit durch Luft­ver­schmut­zung

Ebenso reduzieren sich die Sterblichkeitsraten durch Luftverschmutzung, wie Feinstaubbelastung bei mehr grüner Umgebung. Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass Städteentwickler diese Studien auch lesen und graue Hochhauslandschaften bald der Vergangenheit angehöhren.

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Abb. nach James et al 2015 Hier werden die Faktoren aufgezeigt, wie eine grüne Umgebung die Gesundheit beeinflussen kann.

Herz­ge­sund­heit

Auch der Blutdruck sinkt, wenn sich Menschen in einer Waldumgebung aufhalten, laut einem systematischen Review von Ideno und Kollegen von 2017, in der über 20 Studien mit 732 Probanden untersucht worden. Dabei sinkt nicht nur der systolische Wert, sondern ebenso der diastolische Wert, der ansonsten viel schwerer zu beeinflussen ist. Dies konnte auch in weiteren Untersuchungen bestätigt werden.

Neben dem positiven Einfluss von Waldbaden auf den Blutdruck, hilft es auch bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. In einer Studie konnte bewiesen werden, dass ein Waldaufenthalt von vier Tagen die mit dieser Erkrankung assoziierten Parameter signifikant verbessert hat. Somit kann Waldbaden den Funktionszustand unseres Herzens begünstigen.

Schlaf

Und, je mehr Sie Kontakt zur Natur haben, desto besser können Sie schlafen, und das funktioniert auch bei älteren Menschen. Also schmeißen Sie Ihre Schlaftabletten in den Mülleimer und genießen Sie ein paar romantische Nächte in der Natur. 

Also, gibt es noch Gründe heute nicht ein bisschen Zeit im Grünen zu verbringen?

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