Kinder­osteopathie

Die Behandlung von Kindern erfordert besondere Kenntnisse vom Osteopathen.

Grundsätzlich gibt es keine Unterschiede in der Behandlung von Erwachsenen und Kleinkindern. Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder unterscheiden sich jedoch deutlich von einem Erwachsenen. Die Geschehnisse vor, während und unmittelbar nach der Geburt, die enorme Dynamik in der Entwicklung der verschiedenen Gewebe und Organe, der physiologischen Prozesse sowie der sensomotorischen und emotionalen Entwicklung in den ersten Lebensjahren erfordern besondere diagnostische und therapeutische Vorgehensweisen, Aufmerksamkeit und Schulung des Osteopathen.

Um Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder bestmöglich, verantwortungsbewusst und kompetent behandeln zu können, arbeiten bei uns Osteopathen, die sich speziell in diesen Bereichen im Anschluss an ihre osteopathische Ausbildung weiterbilden.

Abb. Berührung ist die Essenz der Osteopathie
Abb. Berührung ist die Essenz der Osteopathie

Torsten Liem entwickelte erstmals für die University of Wales akademische Studiengänge in Kinderosteopathie und publizierte mehrere Lehrbücher sowie Artikel zur Kinderosteopathie.
Der erste Besuch in einer osteopathischen Praxis ist auch der zeitintensivste. Um sich ein gutes Bild vom Zustand eines kleinen Patienten zu machen, sind nicht nur gegenwärtige Problem aufzunehmen. Im Gegenteil, wichtige Informationen ergeben sich aus der Vergangenheit, wie zum Beispiele Ereignisse aus der Schwangerschaft, der Geburt und die ersten Jahre. Das belegen eindeutig Forschungsergebnisse. Das Wissen darum hilft den Osteopathen, Zusammenhänge zu finden, die heute Beschwerden verursachen. In der Osteopathie wird versucht ganzheitlich zu arbeiten.

Bei der Untersuchung wird das Kind je nach Alter zunächst im Stehen, dann im Laufen beobachtet, um dann im Sitzen und im Liegen auf dem Behandlungstisch untersucht zu werden.

Kinderosteopathie
Kinderosteopathie – Osteopathische Behandlung des Verdauungstraktes

Die erste Kontaktaufnahme mit dem Körper des Kindes findet über die entfernte Wahrnehmung seiner Temperatur statt. Eine Temperaturveränderung lässt sich bereits in einer Entfernung von einigen Zentimetern erspüren. Anschließend werden die verschiedenen Gewebsebenen von Haut, Bindegewebe, Organ, Muskeln oder Knochen durch sanfte Berührung ertastet. Ein gesundes Gewebe zeigt eine gute Durchblutung, was sich in einer charakteristischen weichen Qualität widerspiegelt.

Allein durch die Reaktion des Gewebes auf den sanften Druck gewinnen Osteopathen eine Vielzahl von Informationen über die Gewebsversorgung mit Nährstoffen, eine gesunde Funktion der Nerven, geeignete Entschlackung beziehungsweise den Abfluss über das Lymphsystem und die Venen. An Gelenken oder Faszien werden Beweglichkeitstests durchgeführt.

Jedes Gewebe, Knochen, Organe, Muskeln sollten eine gute Beweglichkeit, Elastizität und Eigenbewegung aufweisen, die Osteopathen über ihre Hände versuchen zu befunden. Auch die Eigenbewegung des jeweiligen Gewebes wird untersucht. In der Osteopathie wird mit mehre- ren Rhythmen gearbeitet, nicht nur mit Herzschlag und At- mung. Diese feinen Bewegungen geben Mittels der Befundung dieser Qualitäten versuchen die Osteopathen, Informationen über die selbstregulativen Kräfte und möglichen Belastungen des Körpers zu erhalten.

Alle Informationen aus der Anamnese, der Inspektion, Untersuchung und der osteopathisch spezifischen Berührungen weisen die Richtung, in die die nachfolgende Behandlung dann führt. Wesentlich sind dabei auch die Belastungen innerhalb der Familie, sowie mögliche Indikationen für Ernährungsvorschläge oder Entgiftungstherapien.

Aus der modernen Neurologie wissen wir, dass sich Gedanken und Verhalten der Menschen aus unserem Umfeld in uns reflektieren. Auf die Familie bezogen, erklären Forschungsergebnisse zum Beispiel der Spiegelneurone eine allgemein bekannte Tatsache: Es geht den Kindern stets nur so gut, wie es den Eltern geht. Sind die Eltern gestresst, so werden auch die Kinder nervös. Das beginnt bereits in der Schwangershaft und zeigt sich auch in der Kindheit. Eine Familie bildet immer eine Einheit, und als solche wird sie in der Osteopathie auch behandelt. Für die einzelnen Phasen in der Entwicklung hat das unterschiedliche Konsequenzen für das Kind. Osteopathisch arbeitende Kindertherapeuten behalten deshalb stets auch den Zustand der Eltern im Auge.

Werden Blockaden im Körper befundet, wird versucht zu verstehen, ob diese durch Stürze, Narben oder Krankheiten oder durch Nährstoffmangel oder aufgrund emotionaler Gründe bestehen. Im nächsten Schritt werden einzelne Strukturen identifiziert, die eine eingeschränkte Beweglichkeit oder eingeschränkte Körperrhythmen aufweisen. Die Behandlung kann dann beispielsweise passiv erfolgen, indem Gewebe in eine entspannende Position gebracht werden, um eine bessere Durchblutung zu erhalten. Oder sie kann aktive Techniken notwendig machen, wie sanfte Mobilisationstechniken.

Wichtig ist für Osteopathen außerdem, dass meist weit entfernt von den Regionen, die Symptome aufweisen, die Störungen herrühren können. So kann zum Beispile durch eine Blinddarmnarbe mittels Faszien Verspannungen in die Halswirbelsäule auftreten, die sich in Kopfschmerzen äußern. Zwar könnte man lokal, Beweglichkeitseinschränkungen der Schädelknochen oder der Nackenregion lösen, doch langfristig ist es möglicherweise sinnvoller, auch die Narbe zu behandeln, falls dies möglich ist. Die Hände des Osteopathen lassen sich vom Gewebe leiten. Die Ausbildung dieser Feinfühligkeit widmen sich Osteopathen viele Jahre. Deshalb ist die Erfahrung eines Osteopathen wesentlich, um die vielen möglichen Beziehungsgefüge zu identifzieren, verstehen und angemessen behandeln zu können.

Wesentlich für einen kompetenten Osteopathen ist es, die einzelnen biologischen, neurologische und psychologische Entwicklungsschritte eines Kindes gut zu kennen.

Osteopathen behandeln beispielsweise Stillprobleme, Schlafprobleme, Schiefhals, Verdauungsbeschwerden, Schluckbeschwerden, Lautbildungsstörungen, Konzentrations- oder Lernstörungen, Allergien, wiederkehrende Ohrentzündungen und vieles mehr. Wesentlich ist auch, die Grenzen einer osteopathischen Behandlung beurteilen zu können und in einem guten Netzwerk mit anderen Therapeuten, wie Kinderarzt, Orthopäde, Logopäde, Physio- und Ergotherapeut verbunden zu sein.

Torsten Liem publizierte mehrere Lehrbücher sowie Artikel zur Kinder­osteopathie.

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Osteopathie und Frauengesundheit

In unserer Praxis werden Themen der Frauengesundheit von unseren Osteopathinnen auf ganzheitliche Art und Weise behandelt. Dies umfasst sowohl hormonelle Beschwerden wie auch alles rund um die Schwangerschaft. Einige Patienten haben die Erfahrung gemacht, dass Osteopathie helfen kann, die Symptome zu lindern. Dabei hilft auch ein weites interdisziplinäres Netzwerk.

Eine Vielzahl von Beschwerden können vor, während und nach der Schwangerschaft entstehen, wie z.B. Kinderwunsch, Schwangerschaftsbeschwerden (wie Übelkeit, Sodbrennen, Druckgefühl, Rückenschmerzen, Verspannungen, Inkontinenz, Kurzatmigkeit), sowie Verletzungen während der Geburt oder bei Kaiserschnitt.
Wir unterstützen Sie osteopathisch auch bei geburtsvorbereitenden Maßnahmen, zur Erleichterung des Durchtritts des Babys durch das Becken (v.a. mit Fokus auf Becken, Beckenboden und Zwerchfell) sowie durch ein Check-up nach der Geburt und zur Unterstützung bei Rückbildung und Stillen.

Die Frauengesundheit wird durch komplexe Wechselwirkungen zwischen dem vegetativen Nerven-, Hormon- und dem Immunsystem beeinflusst. Die zyklischen Hormonschwankungen können sich auch auf den übrigen Körper, wie z.B. auf Muskeln und Bänder stark auswirken. Dies umfasst Menstruationsschmerzen und -störungen, Beckenbodendysfunktionen, Beschwerden in der weiblichen Brust, vaginale Fremdkörperempfindungen und Schmerzen, Unterleibs- und Bauchschmerzen, Eierstockzysten, Organsenkungen, wiederkehrende Blasenentzündungen, Inkontinenz, Endometriose, das polyzystische Ovarial-Syndrom, Wechseljahrbeschwerden oder allgemeine Erschöpfungszustände.

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Psychosomatische Osteopathie

Die von Torsten Liem entwickelte psychosomatische Osteopathie integriert in der Befundung wie in der Behandlung Bottom-up wie Top-Down Dynamiken (s. Abbildung) und umfasst einerseits allgemeine Prinzipien und Modelle, andererseits verschiedene Methodiken, spezifische Ansätze und Techniken zur Befundung und Behandlung von dysfunktionellen Soma-Energie-Erlebnismustern (=somatisch-energetischen-psychischen Dysfunktionskomplexen) sowie eine spezifische Palpationspraxis. Die Gewebepalpation berücksichtigt dabei menschliche Entwicklungsdynamiken und integriert u.a. Elemente von Atemtechniken aus dem Yoga, Ressourcenarbeit, positiver Psychologie, bifokaler und bilateraler Stimulation, Vagusnervstimulation, Vipassana-Meditation und Körpertherapie, neurolinguistische Körperprogrammierung und Hypnose, myofasziale Vibration, somatisches Erleben, gewaltfreie Kommunikation und Achtsamkeit.

Abbildung: Bei Dysfunktionalität und auch während der Genesung interagieren verschiedene auf- und absteigenden Dynamiken als Top-down- und Bottom-up-Mechanismen zwischen peripheren Geweben und dem Gehirn, einschließlich des Immunsystems und des Nervensystems. Sie tragen sowohl zur physischen als auch zur psychischen Gesundheit bei. Beispielsweise kann die Überzeugung „das Leben ist unsicher“ Emotionen wie Angst im limbischen System auslösen, was zu einer erhöhten sympathischen Aktivität mit schneller, flacher Atmung und körperlichen Manifestationen wie Spannungskopfschmerzen, feuchten und kühlen Händen und Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich führt.

Aus: Liem T, Neuhuber W. Psychosomatische Osteopathie bei Trauma am Beispiel der bifokalen Integration. Osteop Med. 2020; 21(4): 6-13.

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