Luftverschmutzung

Torsten Liem
Torsten Liem

Mit meinem Blog möchte ich das Feld der ganzheitlichen Gesundheit bestehend aus Fachwissen und praxisnahen Erkenntnisse zu MIND, BODY und LIFESTYLE für die Allgemeinheit zugänglich machen.

Luftverschmutzung

Das große Problem bei der Luftverschmutzung ist, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, welche Gefahr für sie besteht, sodass sie auch nicht in die Lage versetzt werden, sich zu schützen. Insbesondere weil die langfristigen negativen Einflüsse für uns kaum wahrnehmbar sind, wie vielleicht ein Beinbruch oder eine akute Vergiftung, nichtsdestotrotz aber gesundheitliche Schäden und erhöhte Mortalität bedeuten können, ist Aufklärung hier besonders wichtig. Und auch wenn die Luft in Städten von Entwicklungsländern sogar noch weitaus mehr Schadstoffe als in westlichen Industrienationen enthält, ist die Gefährdung auch in letzteren nachgewiesen. Mit diesem Beitrag möchte ich Ihnen die nötigen Daten liefern, um die reale Gefährdung zu erkennen und Ihnen Möglichkeiten in die Hand geben, wie sie sich schützen können. Auch wenn für grundlegende Verbesserungen der Luftverschmutzung systemische Änderungen notwendig sind und ein anders gewichtetes Verhältnis zwischen ökonomischen und ökologischen Entscheidungen in der Politik nötig wären, sind wir trotzdem in der Lage, die Exposition mit toxischen Substanzen stark zu vermindern.

Die zunehmende Luftverschmutzung stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Umwelt dar, zerstört Ökosysteme, führt zu Klimaveränderungen, minimiert die Biodiversität, beeinträchtigt die Photosynthese wie auch die Ernteerträge durch die Versauerung der Böden und last but not least wirkt sie sich negativ auf die menschliche Gesundheit aus.

Dabei ist die Luftverschmutzung in Innenräumen zwei bis fünfmal höher als in der Natur. So haben die Konzentrationen einiger Schadstoffe in Innenräumen in den letzten Jahrzehnten zugenommen, bedingt durch eine höhere Energieeffizienz mit reduziertem Luftaustausch, sowie die Nutzung von synthetischen Baustoffen, Einrichtungsgegenständen, Spielzeugen, Haushaltsreinigern, Körperpflegeprodukten und Pestiziden.
Dies ist umso bedeutsamer, da wir etwa 90% unserer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen.
Und Menschen, die zu einer erhöhten Anfälligkeit für Luftverschmutzung neigen – sehr junge und ältere Menschen, Herz-Kreislauf- oder Atemwegspatienten – verbringen in der Regel sogar noch mehr Zeit in Innenräumen.

Die lang- und kurzfristige Belastung von Luftverschmutzung hat unterschiedliche toxikologische Auswirkungen auf den Menschen, darunter Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hautkrankheiten, neuropsychiatrische Folgestörungen, Augenreizungen, und langfristige chronische Krankheiten wie Krebs sowie frühzeitige Sterblichkeit und eine reduzierte Lebenserwartung.
Die langfristigen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Entstehung von Krankheiten des Atmungs-, und des Blutkreislaufsystems und Krebs sind weithin anerkannt.
Bereits prä- und perinatal kann Luftverschmutzung zu Frühgeburten, geringeres Geburtsgewicht und Lungenentwicklungsstörungen führen, die mit Atemwegserkrankungen bei Kindern und Erwachsenen assoziiert sind.
Außerdem ist Luftverschmutzung bei Erkrankungen des Gehirns, sowie des Immun- und Hormonsystems und bei Fortpflanzungsstörungen beteiligt
Beispielsweise wirkt sich die Exposition gegenüber verkehrsbedingter Luftverschmutzung insbesondere auf die weiße Substanz, aber auch auf die graue Substanz und Basalganglien des Gehirns aus, die zu einer Beeinträchtigung synaptischer Funktionen, Veränderungen in der Morphologie von Neuronen und Neuronentod führen können.
Bei Exposition mit Feinstaub mit einem Durchmesser von 2,5 µm und verkehrsbedingter Luftverschmutzung kommt es besonders zu Verminderung der weißen Substanz im Frontallappen, mit besonders schwerwiegenden Auswirkungen in der pränatalen Zeit und möglicherweise eine Myelinschädigung bei älteren Menschen.
Alle diese Belastungen können zu einer Abnahme der geistigen Entwicklung, des globalen IQ, des Gedächtnisses, die Aufmerksamkeit und der schulischen Leistung sowie einer höheren Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und der Autismus-Spektrum-Störung sowie bei älteren Menschen zu kognitivem Rückgang, Demenz und Alzheimer führen.
Insbesondere in Entwicklungsändern führen Innenraum Schadstoffe, z.B. beim Kochen zu kognitiven Störungen und ist beispielsweise in Indien die zweithäufigste Ursache für vorzeitige Sterblichkeit.
Die Relation von Luftverschmutzung und erhöhtem Risiko für einen ischämischen Schlaganfall wird kontrovers diskutiert.
Inwieweit allerdings verschiedene toxische Stoffe in der Luft Wechselwirkungen miteinander eingehen oder möglicherweise mit anderen toxischen Stoffen beispielsweise aus der Nahrung im Körper interagieren ist sehr schwer erforschbar und in einer Statistik abzubilden.

Ursachen der Luftverschmutzung sind der Einsatz von Industriemaschinen, Kraftwerken, Verbrennungsmotoren und Autos. Letztere sind zu etwa 80% für die heutige Verschmutzung verantwortlich. In geringerem Ausmaß sind Feldanbautechniken, Heizgeräte für Treibstofftanks, Tankstellen, und Reinigungsverfahren sowie mehrere natürliche Quellen wie Vulkan- und Bodenausbrüche und Waldbrände beteiligt.

Luftverschmutzung 1

Aus Manisalidis I, Stavropoulou E, Stavropoulos A, Bezirtzoglou E. Environmental and Health Impacts of Air Pollution: A Review. Front Public Health. 2020;8:14. 

Luftschadstoffe

Laut der Weltgesundheitsorganisation gehören zu den sechs wichtigsten Luftschadstoffen Partikelbelastung, bodennahes Ozon, Kohlenmonoxid, Schwefeloxide, Stickoxide und Blei. Diese sind für etwa 9 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich ist. Weitere mögliche Belastungen entstehen durch erhöhtes Kohlendioxid und toxischen Schimmel.

  • Feinstaub entsteht in der Atmosphäre in der Regel als Ergebnis chemischer Reaktionen zwischen den verschiedenen Schadstoffen sowie im Verkehr und kann zu akuter Nasopharyngitis führen und ist langfristig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Säuglingssterblichkeit assoziiert. Die Exposition gegenüber Feinstaub ist weltweit der fünfthäufigste Risikofaktor für Todesfälle (2015 etwa 4,2 Millionen Todesfälle). Die WHO spricht 2018 von 7 Millionen Todesfällen. Feinstaubpartikel reichen von einer Größe von 0,1 bis 10 Mikrometer. Je kleiner der Feinstaub, desto belastender ist er. Bereits bei einer Größe von 2,5 Mikrometer gelangt Feinstaub von der Lunge in das Blutgefäßsystem und erhöht die Rate der kardiovaskulären Todesfälle, mittels anhaltenden oxidativen Stress und Entzündungen und erhöhter Aktivierung des autonomen Nervensystems.

Potenziell therapeutisch könnten Antioxidantien über die Nahrung aufgenommen oder supplementiert werden.
Einatmen von Feinstaubpartikel beeinflusst den Blutdruck, die Herzfrequenzvariabilität, die Blutgerinnungsfähigkeit, den Gefäßtonus und begünstigt Atherosklerose und möglicherweise das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden.
Eine noch nicht peer-reviewed Studie von Harvard von 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass Personen, die jahrzehntelang in einem Landkreis mit hoher Feinstaubbelastung lebt, eine 8%* höhere Wahrscheinlichkeit haben, an COVID-19 zu sterben, als jemand, der in einer Region lebt, in der nur eine Einheit (ein Mikrogramm pro Kubikmeter) weniger Feinstaubbelastung vorliegt.
Ältere oder besonders junge Menschen oder vorgeschädigte Patienten mit kardiovaskulären oder respiratorischen Vorerkrankungen besitzen insgesamt ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen.
Nanopartikel hingegen mit einer Größe von 0,1 Mikrometer können mittels sensorischer Nerven im Nasopharynx und in tracheobronchialen Regionen die Blut-Hirn-Schranke umgehen.
Auch wenn nur geringe Mengen inhalierter unlöslicher Nanopartikel in das Gehirn eindringen, können sich diese bei Langzeit-Exposition – möglicherweise über verkehrsbedingte Umgebungsluft oder Metalldämpfe am Arbeitsplatz – im Gehirn akkumulieren und dort neurotoxisch wirken und das Zentralnervensystem schädigen.

  • Ozon: Neben vielen negativen Einflüssen von Ozon auf das gesamte Ökosystem, verursacht es insbesondere in städtischen Gebieten biochemische, morphologische, funktionelle und immunologische Störungen. Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung fossiler Brennstoffe. Es verstärkt den Treibhauseffekt. Bei Einatmen von Kohlenmonoxid können Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche, Übelkeit, Erbrechen und schließlich Bewusstseinsverlust entstehen.
  • Nitrogen Oxide: Nitrogen Oxide sind ein Sammelbegriff für Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2). Sie entstehen als Abgas von Automotoren und in der Energieerzeugung, dringen tief in die die Lunge und wirken dort als Reizstoff. So weist das Umwelt Bundesamt darauf hin, dass Konzentrationen von Stickstoffdioxid (NO2) z.B. aus Dieselmotoren, in der Außenluft schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Es wurde 2014 mit rund 6.000 Todesfällen in Deutschland assoziiert. Werte über 0,2 ppm verursachen Atemwegserkrankungen, Husten, Atemnot, Bronchospasmen bis zu Lungenödemen. Werte über 2,0 ppm beeinträchtigen das Immunsystem, insbesondere T-Lymphozyten (CD8+-Zellen und NK-Zellen).
Bereits eine Kurzzeit-Exposition durch Gaskochen ist bei asthmatischen Frauen mit einer sofortigen Atemeinschränkung assoziiert.
Auch kann die mitochondriale Funktion im Gehirn im Tierversuch an Ratten beeinträchtigt werden. Langfristige Exposition führt zu chronischen Lungenerkrankungen und Beeinträchtigung des Geruchssinnes sowie Reizung der Augen, des Rachens und der Nase. Nitrogen Oxide erhöhen das Risiko an Diabetes, Bluthochdruck und Arteriosklerose zu erkranken und begünstigen eine vorzeitige Hautalterung.

  • Schwefeldioxid: Schwefeldioxid wird v.a. beim Verbrauch fossiler Brennstoffe oder bei industriellen Aktivitäten freigesetzt. Es führt zu Reizungen der Atemwege, Bronchitis, Schleimbildung und Bronchospasmus sowie im Weiteren zu Hautrötungen, Tränenfluss und Hornhauttrübung an den Augen und einer negativen Beeinträchtigung bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insbesondere sind alte Menschen, Kinder und Lungenkranke einem höheren Risiko ausgesetzt.
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): PAK sind sehr weit verbreitet. Sie entstehen bei unvollständiger Verbrennung von organischer Materie wie bei Waldbränden und Motoren und sind in Kohle und Teer enthalten. PAK-Verbindungen wie Benzopyren, Acenaphthylen und Fluoranthen wirken toxisch, mutagen sowie karzinogen.
  • Flüchtige organische Verbindungen (VOCs): Diese entstehen durch die Verwendung neuer Produkte und Materialien wie Möbeln, Baumaterialien, Spielzeuge und belasten insbesondere die Innenluft. VOCs in der Außenluft ist insbesondere auf Industrieanlagen zurückzuführen. Durch ihre synergistische, antagonistische oder indifferente Wirkungen sind die Auswirkungen von VOC Belastungen schwer vorherzusagen. VOC wie Benzol, Ethylbenzol, Toluol und Xylol wirken kanzerogen. Kurzzeitige entstehen Reizungen von Auge, Nase, Rachen und Schleimhäute. Langfristige Exposition können toxische Reaktionen auslösen. Eine vorhersagbare Bewertung der toxischen Wirkungen komplexer VOC-Gemische ist schwer abzuschätzen, da diese Substanzen synergische, antagonistische oder indifferente Wechselwirkungen miteinander eingehen können.
  • Kohlendioxid: Aufgrund zunehmender Wärmedämmungen entsteht in vielen Innenräume ein hoher Gehalt an Kohlendioxid, umso mehr Menschen sich darin aufhalten und wenn keine Belüftung durchgeführt wird. Dies kann zu Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und zu Störungen der Konzentration und der kognitiven Leistungen einschließlich der Entscheidungsfindung und Problemlösung und Atemwegssymptome bei Kindern führen.

Achten Sie deshalb auf regelmäßiges Lüften und nutzen Sie Pausen an der frischen Luft.

  • Dioxine: Dioxine entstehen aus industriellen Prozessen, Verbrauch fossiler Brennstoffe und bei Waldbränden und Vulkanausbrüchen. Es kommt zu Anreicherungen in Nahrungsmitteln wie Fleisch- und Milchprodukten, Fisch und Schalentieren und im Fettgewebe der Tieren. Kurzzeitige Exposition können Hautveränderungen entstehen, langfristig Entwicklungsstörungen, Beeinträchtigung des Immun-, Hormon- und Nervensystems, Unfruchtbarkeit und Krebs führen.
  • Toxischer Schimmel: 2016 hat die Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften, Ärzteverbänden und Experten eine Richtlinie der Association of the Scientific Medical Societies (AWMF) zur „medizinischen Diagnostik bei Schimmelpilzbelastung in Innenräumen“ erstellt. Darin wird Schimmelpilzwachstum in Innenräumen als potentielles Gesundheitsrisiko gesehen, auch ohne dass bisher ein quantitativer und/oder kausaler Zusammenhang zwischen dem Auftreten einzelner Schimmelpilzarten und gesundheitlichen Auswirkungen bewiesen werden konnte. Ausreichende Belege gibt es laut der Richtlinie für die allergische bronchopulmonale Aspergillose, für durch Schimmelpilze verursachte Mykosen, allergische Atemwegserkrankungen, Asthma, allergische Rhinitis, exogene allergische Alveolitis und Atemwegsinfektionen/Bronchitis. Im Vergleich zu anderen Umweltallergenen wird das Sensibilisierungspotenzial von Schimmelpilzen, mit einer Prävalenz von mit 3-10% – als gering eingestuft. Vergiftungen können nur bei Schimmelpilzen entstehen, die Toxine bilden.

Ob und in welchem Ausmaß es tatsächlich dazu kommt, sei jedoch von weiteren Faktoren abhängig, jedoch seien die Raumluftkonzentrationen immer sehr niedrig.
Risikogruppen, die geschützt werden müssen, sind Patienten mit Immunsuppression, mit Mukoviszidose und Asthma.
Laut Richtlinie sind sollten aus der Sicht der Präventivmedizin, Schimmelpilzschäden in Innenräumen nicht toleriert werden. Eine Schimmelpilzsensibilisierung kann sich negativ bei Kindern mit Asthma auswirken. Eine Studie konnte die Induktion von Multiorganismus-Morbidität bei langfristiger Exposition von Feuchtemikroorganismen nachweisen, wie zum Beispiel die nicht-thyreoidale Erkrankung (NTIS).
Eine weitere Studie wies auf Veränderungen in den Entzündungs- und Immunsystemreaktionen auf spezifische Schimmelpilz- und Mykotoxine hin. Allerdings wird kontrovers diskutiert, inwieweit Gefahr von Schimmel tatsächlich ausgeht. So kommen beispielsweise Chang und Gershwin 2019 zu dem Schluß, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass das Vorhandensein von Mykotoxinen in der Luft ausreicht, um irgendeine dem Menschen bekannte Krankheit zu verursachen.
Valtonen begrenzt die Problematik auf die Beurteilung von Feuchtigkeit und Schimmel­pilz­über­empfindlich­keits­syndrom. Bestehende Kontroversen um das Schimmel­pilz­über­empfindlich­keits­syndrom können laut Daschner 2017 auf die große Variabilität der klinischen Symptome und mögliche auslösende Faktoren im Zusammenhang mit Schimmel und Feuchte zurückzuführen sein. Laut AWMF-Richtlinie von 2016 sollten aus der Sicht der Präventivmedizin, Schimmelpilzschäden in Innenräumen nicht toleriert werden. Bei Verdacht einer gesundheiltichen Beeinträchtigung durch Schimmel sollten eine Diagnose, die Anamnese, die körperliche Untersuchung, die konventionelle Allergiediagnose und nötig Provokationstests durchgeführt werden.

  • Blei: Blei wird in Industrieanlagen genutzt und von einigen Benzinmotoren, Batterien, Kühlern, Müllverbrennungsanlagen und Abwässern emittiert. Insbesondere Metalle, Erz und kolbenmotorgetriebene Flugzeuge sind für Luftbelastung verantwortlich. Bleivergiftungen ist vor allem in den Entwicklungsländern eine Bedrohung. Die Aufnahme von Blei erfolgt über die Atmung, den Gastrointestinaltrakt und die Haut und ist Plazentagängig mit Gefahr von Hirnödemen bei Ungeborenen. Neugeborene und Kinder sind selbst bei minimaler Bleiexposition extrem gefährdet kann bei ihnen zu Lernbehinderungen, Gedächtnisstörungen, Hyperaktivität oder sogar zu geistiger Behinderung führen. Es kommt zu Anreicherungen im Blut, in der Leber, der Lunge, im Skelett-, Herz-Kreislauf-, Nerven- und Fortpflanzungssystem. Konzentrations- und Gedächtnisverlust und Muskel- und Gelenkschmerzen können bei Erwachsenen auftreten

Zusammenfassung

Luftverschmutzung entsteht hauptsächlich durch Verkehr, Industrie und Flugverkehr sowie durch direkt in unserem Wohnbereich gebildete Schadstoffe. Zusätzliche Belastungen können durch Rauchen, toxische Schimmelpilze oder Hausstaubmilben entstehen. Auch gibt es Luftbelastungen durch natürliche Quellen wie Feinstaub aus Wüsten etc. Allerdings ist in Städten die Belastung um ein Vielfaches höher als in der Natur und ein Städter verbringt zudem die meiste Zeit in Innenräumen, wo die Belastung einiger Schadstoffe um das 2- bis 5-fache höher sein kann als im Freien.
Gründe sind energieeffiziente Gebäudekonstruktion mit verminderter Belüftung und Einsatz synthetischer Baumaterialien, Einrichtungsgegenstände, Körperpflegeprodukte, Pestizide und Haushaltsreiniger.
Die durch Luftverschmutzung entstehende Beschwerden und Krankheiten sind meist schleichend und relativ unbemerkt. Die langfristigen Auswirkungen der Luftverschmutzung betrifft die Entstehung von Krankheiten des Atmungs-, und des Blutkreislaufsystems und Krebs sowie Erkankungen des Nerven-, Immun- und Hormonsystems und ist bei Fortpflanzungsstörungen beteiligt.

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Aus: Manisalidis I, Stavropoulou E, Stavropoulos A, Bezirtzoglou E. Environmental and Health Impacts of Air Pollution: A Review. Front Public Health. 2020;8:14.

9 Tips und Strategien

1. Versuchen Sie möglichst Baustoffe und Einrichtungsgegenstände zu nutzen, die keine oder möglichst wenig flüchtige organische Verbindungen (VOC) aufweisen, wie z.B Lehmwände, Lehmfarben bzw. VOC-arme Farben, Stein- oder Holzfussboden, natürlich behandelte Massivholzmöbel und möglichst Sofagarnituren ohne Flammschutzmittel, etc. Viele Flammschutzmittel sind gesundheitlich bedenklich und können sich im Blut oder sogar in Muttermilch anreichern.

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Einfluss von bebauter Umwelt auf die Gesundheit (nach Mitchell CS, Hodgson MJ, unveröffentlichte Daten). Aus: Wu F, Jacobs D, Mitchell C, Miller D, Karol MH. Improving indoor environmental quality for public health: impediments and policy recommendations. Environ Health Perspect. 2007;115(6):953‐957.

Allerdings wird hier deutlich, wie finanzielle Unterschiede Einfluss auf gesundheitliche Aspekte haben, denn biologische Baustoffe sind teuer. Dennoch – auch ohne finanziellen Reichtum zu besitzen, können Sie viel für sich tun. 

2. Verbringen Sie soviel Zeit wie möglich in der Natur, wie Parks und Wäldern oder wenn möglich, in Ihrem Garten. 

3. Lüften Sie regelmäßig die Räume, in denen Sie sich aufhalten. So können Sie für ausreichend frischen Sauerstoff sorgen. Berücksichtigen Sie dabei auch die Luftbelastung von draußen, das heißt vermeiden Sie Hauptverkehrszeiten. Ideal zum Lüften sind meist die Zeiten früh am Morgen und abends.

4. Nutzen Sie Pflanzen in den Innenräumen und wenn möglich in den Außenanlagen sowie begrünte Dächer. Pflanzen wirken als biologische Filter und haben die Fähigkeit insbesondere Feinstaub-, aber ebenso Ozon- und Stickstoffdioxid-Werte zu reduzieren. Ideal sind beispielsweise Kiefern, Eiben und Efeu.

Dabei hat eine grüne Umgebung nicht nur Einfluss auf die Luftverschmutzung, sondern fördert auch die Stressreduktion, kognitive Erholung, körperliche Aktivität, soziale Interaktionen, Lärmminderung sowie die Regulation von Hitze und Feuchtigkeit. Ideal sind mindestens 15% Pflanzen im Haus, inkl. Garten zu haben.

5. Nutzen Sie einen Luftreiniger. Ich nutze eine Baren HEPA Luftreiniger B-785. Dieser ist für kleine bis mittelgroße Zimmer geeignet. 

6. Vermeiden Sie belastete Gebiete, in dem Sie sich möglichst wenig in Verkehrsstoßzeiten auf der Straße bewegen und verkehrsreiche Straßen meiden.

7. Achten Sie beim Kochen in Innenräumen auf gute Belüftung.

8. Praktizieren Sie körperliche bzw. sportliche Aktivitäten. Wenn Sie im Freien praktizieren, dann möglichst in der Natur und abseits verkehrsreicher Regionen. Achten Sie darauf, im Sommer bei erhöhten Ozonwerten eher morgens zu trainieren, da nachmittags die Werte meist ansteigen. Wenn Sie gefährdet sind, z.B. Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen vorliegen, sollten Sie vorher Ihr Arzt konsultiert werden. 

9. Bei Vorliegen einer Feinstaubbelastung könnte auch potenziell therapeutisch Antioxidantien über die Nahrung aufgenommen oder ggf. supplementiert werden, wie z.B. N-Acetylcystein (NAC) oder Carotenoide etc. 

10. Schimmel: Schimmel muss nicht zwangsläufig gesundheitsschädigend auf Sie wirken, könnte es aber. Deshalb sollten Sie bei Verdacht weitere Schritte einleite (s.o zu möglichen Symptomen). Schimmel kann sich gut hinter Dielen oder Fensterrahmen fast unsichtbar verstecken. Bei Verdacht auf toxischen Schimmel können Sie sich günstig Platten mit Nährböden besorgen und diese für etwa 90 Minuten an den zu untersuchenden Zimmern/Orten aufstellen. Anschließend verschließen Sie diese rundherum fest mit einem Tesafilmstreifen. Nach 6-8 Tagen in Raumtemperatur schauen Sie, ob in den Nährböden in den Schalen etwas gewachsen ist. Bei positiven Ergebnissen – insbesondere dunkle Pilze – können Sie diese gemeinsam mit einer Blutprobe untersuchen lassen. Ein Institut, welches ich verwende, ist das Institut für Medizinische Diagnostik Berlin-Potsdam. Schimmel bitte nicht selbst versuchen zu entfernen, so lange Sie sich nicht tief in die Materie eingelesen haben. Im ungünstigen Falle könnten Sie sonst das Problem noch verschlimmern. Kontaktieren Sie einen Schimmel-Experten. Dieser weiß wie der Schimmel erfolgreich komplett zu entfernen ist. 

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